Menschenrechtsbildung

CLEAR – Menschenrechtsbildung durch Arbeit an Schlüsselkonzepten

Internationales Projekt zur Förderung des Lernens in einer vielfältigen Bedeutungswelt

Bedeutung:

  • Das internationale Projekt CLEAR unterstützt Lernprozesse, die (Selbst)Reflexion, Multiperspektivität und Informationskompetenzen in Bezug auf Schlüsselkonzepte der Menschenrechtsbildung fördern.
  • Schulen und Bildungsinstitutionen können online entsprechende Materialien beziehen.

In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerorganisationen haben die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und das European Wergeland Center (EWC) die Arbeit am Projekt CLEAR aufgenommen – einem Projekt zu konzeptuellem Lernen in den Bereichen Demokratiebildung, Menschenrechtsbildung und interkulturelle Bildung.

Langfristig verfolgt das Projekt das Ziel, eine Internet-Plattform aufzubauen, die Materialien für in der Bildung tätige Personen zur Verfügung stellt. Unterschiedliche Definitionen von Schlüsselkonzepten und Methoden für konzeptuelles Lernen sollen aufgezeigt werden.

Das Projekt baut auf dem bestehenden Online-Glossar "Confusing Conversations", entwickelt von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem NECE Network.

Die Ausgangssituation

"Schlüsselkonzepte" sind Begriffe, die für das Verstehen und die Diskussion über die heutige Gesellschaft essentiell, jedoch schwierig zu definieren sind, so zum Beispiel Demokratie; Rechtsgleichheit; Bürgertum; Menschenrechte; Ethnizität; universelle Werte; Wohlfahrtsgesellschaft; politische Macht; Globalisierung.

Schlüsselkonzepte sind in öffentlichen Debatten wichtig und der gekonnte Umgang gehört zu den Kompetenzen des aktiven Bürgers und der aktiven Bürgerin. Gleichzeitig sind die Schlüsselkonzepte oft unklar und vermitteln unterschiedliche (manchmal widersprüchliche) Bedeutungen, die vom geographischen, sozialen und kulturellen Kontext sowie dem Alter, den politischen Ansichten und den persönlichen Überzeugungen der Benutzerin oder des Benutzers abhängig sind.

Der Begriff Demokratie z.B. wird in Frankreich, Ägypten und China grösstenteils unterschiedlich verstanden werden, aber auch Bürgerinnen und Bürger innerhalb dieser Staaten werden ein unterschiedliches Verständnis von diesem Begriff haben.

Schlüsselkonzepte sind aufgrund der grossen Vielfalt an möglichen Bedeutungen und Anwendungsmöglichkeiten immer umstritten. Mit anderen Worten, sie sind Schauplatz von sozialen, politischen und kulturellen Meinungsverschiedenheiten und sogar von Konflikten.

Prinzipien des CLEAR-Projekts

Anstatt die Existenz von universellen Definitionen vorauszusetzen, geht das Projekt CLEAR davon aus, dass die verschiedenen Möglichkeiten, den Begriffen und Konzepten Sinn einzuhauchen, eine wichtige Quelle für Lernprozesse sind, die kritisches Denken, Reflexion und interkulturelle Kompetenz fördern.

Das Projekt CLEAR zielt folglich nicht darauf ab, Missverständnisse durch das Aufzwingen einer absoluten Wahrheit aufzulösen, indem es abschliessende Antworten zu Fragen nach der Bedeutung und Definition von Begriffen liefert. Stattdessen hat das Projekt CLEAR einen Ansatz gewählt, der Lernende befähigt, die Bedeutung von Konzepten zu untersuchen, über die Kontexte nachzudenken, welche ihr eigenes Verständnis und das Verständnis anderer beeinflussen, sowie "begründete" und "angemessene" Definitionen mit anderen zu verhandeln.

Empowerment

Die Lernenden werden ermutigt, ihre eigenen Auffassungen und Vorstellungen von Konzepten ernst zu nehmen, und befähigt, an der sozialen Wissensbildung und der kritischen Hinterfragung von bestehenden Auffassungen teilzunehmen und neues Wissen zu generieren.

Perspektivenwechsel 

Der Fokus liegt auf dem Verständnis von unterschiedlichen Quellen und Systemen von Bedeutung. Lernprozesse sollen Klarheit schaffen; jedoch nicht im Sinne von einstimmigen Definitionen, sondern durch Sensibilisierung dafür, dass die Bedeutung von Konzepten von ihrem Kontext und ihrem geschichtlichen Hintergrund abhängt. Das Vorhaben, Facetten und Schichten von Bedeutung zu untersuchen, fördert die interkulturelle Kompetenz der Lernenden.

Fördern des kritischen Urteilvermögens

Auch wenn das Projekt auf einer "schwachen" Definition von Wahrheit aufbaut, impliziert es keinen absoluten Relativismus. Durch seine Arbeitsmethoden möchte das Projekt die Fähigkeit der Lernenden, verschiedene Behauptungen und ihre Validität zu vergleichen und kritisch zu beurteilen ebenso fördern wie die Teilhabe an der sozialen Konstruktion von Begriffsverständnissen, welche dem Kontext angemessen sind. Nicht zuletzt soll die Fähigkeit der Lernenden gestärkt werden, die Wirkungen von bestimmten Auffassungen auf die sozialen und politischen Realitäten einzuschätzen.

Ideengeschichtliche Methodik

Der letztere Punkt knüpft an die ideengeschichtliche Methodik an, welche seit Montesquieu und Herder im 18. Jh. viele Blütezeiten erlebt hat. Sie befasst sich mit der Art und Weise, wie Konzepte und die Bedeutung von Konzepten in einem bestimmten politischen und sozio-ökonomischen Umfeld entstehen und sich im Laufe der Geschichte verändern. Konzepte reflektieren, wie eine Gesellschaft der Realität einen Sinn gibt; sie reflektieren diese Realität und sind ein Teil von ihr.

Da die Art, wie Bedeutung konstruiert wird, in direktem Bezug zum Handeln und Mitwirken steht, sind Konzepte ständig Schauplatz von Kämpfen um Definitionen. Die Analyse von Konzepten als Gefässe für Bedeutung ist ein Weg, politische Mitwirkung zu ermöglichen, indem das Subjekt befähigt wird, aktiv an Verhandlungen über Bedeutungen teilzunehmen, die Teil der politischen Kultur einer Gesellschaft sind. In Gesellschaften mit hoher Diversität ist diese Fähigkeit noch wichtiger, da Akteurinnen und Akteure, die an politischen Debatten und Entscheidungsprozessen teilnehmen, die Fähigkeit besitzen müssen, viele Arten, das Objekt der Debatte zu interpretieren, zu "lesen".

Schulen und Bildungsinstitutionen können online mehr über das Projekt und den Ansatz erfahren und entsprechende Materialien beziehen.

12.03.2014