Menschenrechtsbildung

Menschenrechtsbildung und Musik

“Human Rights Orchestra“-Bildungsprogramm im Rahmen des Lucerne Festivals als „good practice“ für Schweizerische Schulen

Bedeutung für die Praxis

  • Das bereits einmal durchgeführte Human Rights Orchestra-Bildungsprogramm kann schweizerischen Schulen als Modell für Menschenrechtsbildung an der Schnittstelle mit musikalischer Bildung dienen.
  • Das Human Rights Orchestra-Bildungsprogramm zeigt als „good practice“ auf, wie ein Menschenrechtsbildungsprojekt im Bereich der musischen Bildung angelegt werden kann und was dabei beachtet werden muss.
  • Ab dem Schuljahr 2012/2013 steht schweizerischen Schulen jedes Jahr die Teilnahme am Human Rights Orchestra-Bildungsprogramm offen.

Idee

Musik machen und hören verbindet und wirkt entwaffnend. In einem Orchester treffen Musikerinnen und Musiker verschiedener Herkunft aufeinander und kommunizieren auf harmonische Art und Weise im globalen Medium der Musik. Genauso wie die Menschenrechte kann die Musik zu einem friedlichen Zusammenleben frei von Gewalt und geprägt von Kooperation, Diversität und Respekt beitragen. Der Mikrokosmos Orchester verkörpert eine nach humanistischen Idealen funktionierende Gesellschaft und entsprechend kann von ihm gelernt werden.

Im Rahmen des Human Rights Orchestra-Bildungsprogramm fliessen Prozesse der musikalischen Bildung und der Menschenrechtsbildung ineinander und bereichern sich gegenseitig.

Verständnis von Menschenrechtsbildung

Grundsätzlich stehen die Menschenrechte in einem Spannungsverhältnis zur Lebenswirklichkeit, da sie nicht gelebtes Leben, sondern Leitlinien einer humanen Gesellschaft beschreiben. Menschenrechtsbildung ist notwendig, um die Realisierung der Menschenrechte voran zu bringen. Menschenrechte können nur Realität werden, wenn alle Menschen von ihren Rechten wissen. Nur so können einzelne Menschen die Menschenrechte für sich in Anspruch nehmen und sich gleichzeitig auch solidarisch für die Rechte von anderen einsetzen. Erst das Wissen und das Bewusstsein eines Menschen, dass er Menschenrechte und korrespondierende Pflichten hat, lassen Menschenrechte Wirklichkeit werden.

Konkretes Vorgehen

Im Rahmen einer Zusammenarbeit des Zentrums für Menschenrechtsbildung (ZMRB) der Pädagogischen Hochschule Luzern mit dem LUCERNE FESTIVAL gestalteten Mitglieder des „Human Rights Orchestra“ (HRO) gemeinsam mit Schülern/-innen der Kantonsschule Reussbühl ein Konzert. Das „Human Rights Orchestra“ setzt sich aus Musikerinnen und Musikern verschiedener renommierter Orchester Europas zusammen und ist das Hauptorchester der „Musicians for Human Rights“. Dieses Netzwerk wurde vom Hornisten und Dirigenten Alessio Allegrini im Frühling 2009 zusammen mit einem namhaften Patronatskomitee gegründet, dem Claudio Abbado, Martha Argerich und Sir Simon Rattle angehören. Das Ziel der „Musicians for Human Rights“ ist die Förderung der Menschenrechte und die Unterstützung von Menschen in Not. Mit Konzerten, Residenzen und Lehrtätigkeit versuchen die „Musicians for Human Rights“, einer breiten Öffentlichkeit und insbesondere Kindern Menschenrechte und allgemeine humanistische Werte zu vermitteln.

Unter der Leitung von Alessio Allegrini brachten Mitglieder des Human Rights Orchestra gemeinsam mit Schülern/-innen der Kantonsschule Reussbühl zwei neue Werke von Paolo Marzocchi zur Uraufführung, die sie in einem Workshop mit dem italienischen Komponisten erarbeitet haben. Im Fokus des Workshops standen in Verbindung mit der Musik auch die Menschenrechte. Die musikalischen Werke thematisieren Flucht und das Recht auf Asyl. Die Menschenrechtsbildungseinheiten führten in das Thema und in das Recht auf Asyl ein und lösten eine Auseinandersetzung aus menschenrechtlicher Perspektive mit diesem Thema aus.

Ablauf des Human Rights Orchestra-Bildungsprogramms

Die am HRO-Bildungsprogramm teilnehmenden Schülerinnen und Schüler formieren sich in einer ersten Phase zu einem musikalischen Ensemble und beginnen, im Laufe des Schuljahres ein Konzertprogramm einzustudieren. Zudem setzen sie sich in ihrer Schule vor Ort mit Menschenrechten und Kinderrechten auseinander. In dieser Vorbereitungszeit werden die Schülerinnen und Schüler von einer musikalischen Leiterin bzw. einem Leiter und den Klassenlehrpersonen betreut, die vom ZMRB der PHZ Luzern vorgängig geschult und anschliessend kontinuierlich beraten werden. Sie werden vom ZMRB der PHZ Luzern u.a. in die Anwendung von stufengerechtem Unterrichtsmaterial zu den Menschenrechten und zu den Kinderrechten eingeführt.

In der zweiten Phase findet schliesslich ein Workshop mit Musikerinnen und Musikern des HRO statt, die von einem oder einer Menschenrechtsbildner/in des ZMRB begleitet werden. Im Workshop wird die musikalische Bildung mit der Menschenrechtsbildung verwoben.

Im Rahmen des Konzerts werden der Verlauf und die Ergebnisse des Workshops präsentiert. Das Konzert bildet den Abschluss des Human Rights Orchestra-Bildungsprogramms.

02.05.2012